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Valle, Stuttgart

Das Valle liegt, recht zentral gelegen, zwischen Friedrichsbau und Universität. Gekocht wird die klassische italienische Küche mit einer Standard- und einer Wochen-/Saisonkarte. Italienische Restaurants und ich stehen oftmals auf Kriegsfuß. Dafür muss ich aber etwas ausholen.

Die italienische Küche ist einfach, aber zeitlos. Die Zutaten sollen im Mittelpunkt stehen. Oft sind in einem Gericht nur wenige unterschiedliche Zutaten verarbeitet. Sie ist oftmals sehr „leicht“, was sie ideal für den Sommer macht. Und weil sie recht einfach zuzubereiten ist, habe ich recht hohe Ansprüche an sie.

Was habe ich aber nicht schon schlechte Erfahrungen in italienischen Restaurants machen müssen. Mal wird in der Carbonara Kochschinken verwendet, ein anderes Mal wird der Caprese-Salat um Geld zu sparen mit günstigem Mozzarella von der Kuh zubereitet. Oder der Parmesan ist nicht frisch gerieben, sondern gleicht hartem, getrocknetem „Parmesan-Pulver“ aus der Büchse. Und die Pizza Margherita wurde auch schon mit getrocknetem Basilikum bestreut. Das sind Unarten, die ich nicht verstehen will und auch nicht kann.

Das Valle war gut besucht (tatsächlich haben wir nur einen Platz draußen bekommen, weil wir uns auf ein zeitlich beschränktes Abendessen zur Doppelbelegung eingelassen haben), also war ich guter Hoffnung, dass das Essen vielleicht doch ganz gut sein kann. Pessimistisch war ich da dennoch.

Die Saison-/Wochenkarte bestand aus vielen Trüffelgerichten. Auch typisch für viele Italiener. Im Sommer gibt es günstigen Sommertrüffel, warum also nicht auch anbieten. Dass der nach kaum was schmeckt und nicht mit dem, zugegeben unbezahlbaren, Alba-Trüffel vergleichbar ist, geschenkt. Fehlender Geschmack wird dann mit Trüffel-Öl und künstlichen Aromen „korrigiert“. Aber der Show-Effekt dieser, zu mindestens optisch, tollen Trüffeln ist natürlich nicht zu unterschätzen und die Kunden scheinen das ja auch nachzufragen.

Zurück zur Karte. Auf der gab es unter anderem Spaghetti aus dem Parmesanlaib (tatsächlich Parmeggiano Regiano). Das ist normalerweise ein Traum. Frisch aus dem Kochwasser geschöpfte und am besten hausgemachte Spaghetti werden direkt in einen ausgehöhlten Parmesanlaib gegeben. Durch die Hitze und etwas Kochwasser löst sich genau die richtige Menge Parmesan und ergibt dann eine schöne Käsesauce. So einfach kann italienisch Kochen sein. Hätte ich gerne bestellt. Leider war auch bei dem Gericht „Trüffel“ dabei, weswegen ich mich für etwas anderes entschied.

Es gab zur Vorspeise einen Antipasti-Teller, Bruschetta mit Mozzarella und Sardellen und als Hauptspeise Rigatoni mit einem Wildschweinragout.

Der Antipasti-Teller bestand aus gegrilltem und eingelegtem Gemüse, Mozzarella-Kugeln, getrocknetem Schinken mit Honigmelone, aufgeschnittenem Salami und Rucola-Salat. Das Gemüse war lecker und sahen hausgemacht aus. Der getrocknete Schinken war geschmacklich auch toll, vermutlich tatsächlich aus Parma. Die grobe Mailänder-Salami war jetzt nichts besonderes. Die Mozzarella-Kugeln waren leider grauenvoll. Eben typisch. Schlechter Kuhmilchmozzarella die einfach nach nichts schmeckte. Erinnert einen an die hier.

Dann die Bruschetta. Die war erst mal schön geröstet. Darauf lag eine Scheibe überbackener Mozzarella und darauf war eine Sardelle gelegt. Klingt nicht besonders aufregend, ist es auch nicht. Der Mozzarella war auch hier von der Kuh und die sehr rechteckige Form hat mir schon davor „Angst“ gemacht. Mozzarella-Quader kenne ich quasi nur schlecht. Die Sardelle hat das in der Qualität auch nicht mehr rausreißen können.
Wie es hätte sein können? Man nehme eine knusprige und mit Knoblauch eingeriebene Bruschetta, nimmt einige Tomatenwürfel, gibt frischen klein gezupften Büffelmozzarella darauf und garniert das ganze mit zwei kleinen, evtl. auch kleingeschnittenen Sardellen. Vielleicht noch Kapern und frische Petersilie darauf. Fertig.

Die Hauptspeise dagegen war recht lecker. Die Rigatoni waren al dente. Das Ragout war tatsächlich vom Wildschwein. Zubereitungsart wie eine klassische Bolognese. Nur hätte es mehr sein dürfen. Besonders viel Fleisch war nicht am Essen. Wirklich schade.

Der Service war dagegen aufmerksam, sehr nett und, auch typisch Italienisch, sehr sympathisch. Das Essen konnte da leider nicht mithalten.

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