: Er isst

Steirereck, Wien (**)

Das Steirereck setzt hohe Maßstäbe. Zwei Sterne im Michelin-Führer und 19 Hauben im Gault Millau sprechen eine deutliche Sprache. Beide Restaurantführer sprechen bei einer solchen Wertung von einer „Küche die einen Umweg verdient“ und einer „Höchstnote für die weltbesten Restaurants“.

Dazu kam ein Beitrag eine Lobhudelei von den Sternefresser und ein kritischer Beitrag von Trois Etoiles. Wir waren also vorbereitet und voller Vorfreude.

Das Steirereck liegt sehr idyllisch am Stadtpark in Wien. Es bietet sich gerade zu an vor oder nach dem Essen noch ein paar Runden durch den Park zu spazieren. Da es unmöglich war, für abends einen Tisch zu bekommen, entschieden wir uns eben dort zu Mittag zu essen.

Noch vor der Menüfolge erreichten uns verschiedene Amuse Bouche die durchweg gut waren. Unter anderem der auf dem Bild zu sehende, gebratene, Fisch mit Kürbis. Die absoluten Überraschungen waren zwar nicht dabei, aber sie stimmten trotzdem auf die folgenden Gänge ein.

Der erste Gang war gleich ein Volltreffer. „Gillardeau Auster mit gelber Zucchini, russischer Gurke, Eispegonien & Fenchel-Pollen“. Normalerweise bin ich jetzt nicht der größte Fan von Austern die auf irgendeine Art und Weise weiterverarbeitet werden und mag sie am liebsten frisch. In diesem Fall wurde sie aber überbacken und die Kruste ist auch nötig um eine knusprige Konsistenz zum Gericht hinzuzufügen. Die nötige Säure zur Auster wurde von der Gurke beigesteuert, die mit Essig und Fenchel-Pollen mariniert war. Das Ganze war sehr gut abgeschmeckt, nichts hat den Geschmack der Auster überlagert, obwohl man da mit Säure ja aufpassen sollte und alles hat toll harmoniert. Ein wundervoller erster Gang.

Der zweite Gang „Gold- & Chioggia-Rüben mit Schwarznessel, Haselnüssen & Würz-Tapenade“ war rein vegetarisch. Der Saft von rote Rüben war süffig, die Würz-Tapenade wunderbar herzhaft und die Kombination mit den gegarten Rüben stimmig. Ein schöner, kurzweiliger Ausflug in den Gemüsegarten.

Der Fischgang „Gebratener Reinanke mit jungen Marchfelder Artischoken und Tombinambur-Blüten“ kommt nach dem letzten Gang dann recht übersichtlich daher. Der Fisch ist natürlich wunderbar gebraten, Trauben bringen Süße und Säure und die Sauce aus Tombinambur-Blüten eine erdige Note mit, die dann alles zusammenbringt. Bei dem Gericht merkt man auch wieder, wie wichtig hervorragende Produktqualität ist. Fisch und die jungen Artischocken waren von toller Qualität. Solider Gang, wenn mir auch der letzte Pfiff etwas gefehlt hat.

Kommen wir nun zum Fleisch. Es gab „Weideschwein mit Holunder, Fenchel & Cox Orange Apfel“. Hier stimmte wirklich alles. Das zart geschmorte und würzige Schwein, das auch schön fett war und viel Geschmack mitbrachte. Die Schweinskrusteln die für die knusprige Textur sorgte. Der frische Fenchelsalat und als Mitspieler die Anis-lastige Fleischsauce. Und die Süße und Säure des dicklichen Apfel-Holunderbeeren-„Chutney“. Alles perfekt aufeinander abgestimmt.

Der letzte herzhafte Gang. „Wildente mit Perlgraupen, Kressewurzeln, Kochsalat und Tomatillo“. Die Ente versteckt sich unter Salat und Kressewurzeln. Auch ein toller Gang, der die eine oder andere Überraschung bereithält. Z. B. die wunderbar erdige Kastanien-Schalotten-Creme, die sehr gut zur Ente passte. Oder die Perlgraupen die mit „Enten-Haxl“ herzhaft zubereitet waren. Auch die Kressewurzeln wurden im Entenfett gebraten, womit die Ente wahrlich der Hauptdarsteller dieses sehr starken Gerichts war.

Statt dem Käsegang, wählten wir die Erfrischung „Bananen-Schnee mit Kokosnuss, Stachelbeeren & Bitterorange“. Die Kokosnuss bestand aus geliertem Kokosnussfleisch das in einer Melassenhippe gefüllt war und so der Kokosnuss doch sehr ähnlich sah. Die Stachelbeerren waren mit Orangen angemacht und der Bananen-Schnee war natürlich geeist. Klassische Geschmackskombinationen mit denen man nichts falsch machen kann. Es war nur etwas viel Schnee und überhaupt ein recht üppiger Gang für eine eigentlich kleine Erfrischung. Aber stimmig.

Das Dessert „Himbeeren mit Pandan, weißer Schokolade & Kokos“ wusste auch auf voller Linie zu überzeugen. Ich habe Pandankuchen in Indonesien kennen und lieben gelernt, weswegen mich der Geschmack nicht überrascht hat. Was dem Genuss aber keinen Abbruch tat. Die Kombination passt hervorragend zusammen. Und als kleines i-Tüpfelchen waren die Himbeeren noch mit einem leckeren Himbeer-Sturm gefüllt, den wir bis dahin nicht kannten und ich so manchem Federweißen den Vorzug geben würde.

Kommen wir zu den Petit Fours, die standesgemäß als kleine Schmuckstücke präsentiert wurden und größtenteils gut und in Ordnung waren. Absolut positive und negative Überraschungen gab es hier nicht mehr. Die Präsentation darf aber ruhig als sehr gelungen bezeichnet werden.

Der Service war durchgehend Spitzenklasse. Wir fühlten uns umsorgt und das Team schaffte es stets den schmalen Grat zwischen sympathischem und gleichzeitig etwas frech-humorvollen Auftreten zu halten.

Wir wählten übrigens die Weinbegleitung die bis auf ein/zwei Gläser sehr treffsicher war.

Abschließend noch die abweichenden Gänge meiner Begleitung.

2 Gedanken zu “Steirereck, Wien (**)

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