: Er isst

La Soupe Populaire, Berlin

Das La Soupe Populaire ist also der neueste Streich von Tim Raue. Es liegt in der Bötzow-Galerie in der es wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst geben soll. Raue soll für das kulinarische Erlebnis sorgen, das mit der Kunst wechseln soll. Für amerikanische Kunstwerke sollen dann eher auch typische Gerichte aus den USA auf der Speisekarte stehen. Für den Anfang macht aber die typische Deutsche, genauer noch Berliner Küche den Anfang. Wir machten uns gespannt zum Mittagstisch auf den Weg.

Das Restaurant liegt recht abenteuerlich in einer Industriehalle der früheren Bötzow Brauerei. Das Areal ist sehr groß und wird im Moment ausgebaut. Am alten Industrie-Charme hat sich allerdings nichts geändert. Richtig einladend ist anders. So kam es dann auch, dass uns der nette Pförtner den Weg weisen mussten, weil wir uns nicht vorstellen konnten, hier richtig zu sein. Selbst nach Finden des richtigen Eingangs, trauten wir uns kaum in die alten Gemäuer. Wegweiser Fehlanzeige. Menschen oder gar Stimmen auch. Der Hunger leitete uns dann doch den Weg vorbei an einer verwaisten Bar und den Toiletten in eine der hinteren Räume der Halle, in der dann ein großes Haus zu sehen war.

DSC_2993Hier müssen wir richtig sein. Eine Treppe führt zu einer Empore hinauf, wo wir dann auch freundlich vom Service empfangen wurden. Wir kamen an einem Samstag um 12:30 Uhr, zu der Zeit anscheinend ganz Berlin noch beim Brunch sitzt und noch nicht an das Mittagessen denkt. So erklärte uns der Service die Tatsache, dass wir die einzigen Gäste waren, obwohl der Lunch ausreserviert war.

Das Ambiente ist „shabby chic“ und passend zur Industrieatmosphäre. Also durchaus überraschend stilvoll. Die Speisekarte ist überschaubar. Vier Vorspeisen, vier Hauptspeisen und zwei Nachspeisen können gewählt werden. Die Preise sind toll kalkuliert und erlauben auch einen häufigeren Besuch des Restaurants.

Schnell war die Bestellung aufgegeben und das Mittagessen konnte beginnen. Zur Einstimmung gab es gutes und rustikales Brot mit Griebenschmalz, begleitet von eingelegten Radieschen und weißem Spargel.

DSC_2995Das Schmalz war super. Fein, aber dennoch kräftig im Geschmack. Das eingelegte Gemüse hat man da eigentlich gar nicht gebraucht. Danach ging es mit der Vorspeise „ostsee lachs, Meerrettich, Gurken“ weiter.

DSC_2996Sehr klassisch und wenig überraschend war dieses Gericht zusammengestellt. Der Lachs war in hervorragender Qualität und toll zubereitet. Nichtsdestotrotz fehlte mir etwas der Pfiff und auch der Meerrettich war wenig scharf und half nicht darüber hinweg.

Mal sehen wie sich die „Königsberger Klopse, Kartoffelpüree, Rote Beete“ schlagen.

DSC_2998Toll, toll, toll. Die besten Königsberger Klopse die ich jemals essen durfte. Das Fleisch war schön im Geschmack, die Sauce stimmig, das Kartoffelpüree cremig und die rote Beete mit Apfel durfte dann mit ihrer erdigen Süße alles harmonisch zusammenbringen. Die Butterbrösel findet man sonst eigentlich eher auf bayrischen Semmelknödel, passen aber natürlich auch toll auf diese Klopse. Und wie man sieht, wurde mit der Sauce nicht gespart. Ich liebe das ja. Bodenständig, lecker.

Glücklicherweise fand dieses Gericht sogar seinen Weg in Tim Raues Kochbuch, weswegen man dann auch besser nachvollziehen kann, warum diese Klopse so gut schmecken. Kalbshack, Kalbsbries und Kalbszunge sorgen für das besonders feine Aroma der Königsberger Klopse und verleiten mich dazu, das Rezept möglichst bald nachzukochen.

Zum Schluss sollte der Bienenstich mit Aprikosensorbet das Essen abschließen.

DSC_3000Raue wäre nicht Raue, wenn er nicht auch aus einem schnöden, einfachen Bienenstich etwas Besonderes macht. Das Aprikosensorbet versteckt sich im Inneren des Bienenstichs zwischen dem Bisquitboden und der Crème. Der aufgelegte Mandelkrokant war überhaupt nicht klebrig, wie sonst oft, sondern einfach nur knusprig. Und die kleine Biene sorgt zu mindestens für ein kleines Schmunzeln.

Ein tolles gastronomisches Konzept von einem der angesagtesten Köche Berlins. Grundlage für eine Erfolgsgeschichte. Denn das „La Soupe Populaire“ wird sicherlich zu einer werden. Nicht zuletzt war auch der Service hervorragend, wie ich es auch im „Tim Raue“ vorfand. Und die eine oder andere Position auf der, dann doch recht übersichtlichen, Weinkarte wurde ebenfalls von dort übernommen. Hier wäre ein wenig mehr Auswahl dann doch sehr schön.

Nun bin ich natürlich vor allem gespannt, wie sich die Speisekarte im Laufe der Zeit und den Ausstellungen verändern wird. Dass es schmecken wird, da bin ich mir schon sehr sicher.

Hier noch die abweichenden Speisen meiner Begleiterin, ohne Kommentar.

 

Ein Gedanke zu “La Soupe Populaire, Berlin

  1. Unagi schreibt am

    Schöner Artikel. Werde das Soupe Populaire bald ausprobieren. Einzige kleine Ergänzung:
    Butterbrösel findet man in Bayern nicht auf Semmelknödel, sondern Kartoffelknödel :-)

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