: Er isst

Restaurant Horváth, Berlin (*)

Am Tag des Pokalfinales zwischen dem VfB Stuttgart und Bayern München, musste ich mich zwischen meiner Leidenschaft für gutes Essen und dem runden Leder entscheiden. Am Ende siegte der Appetit und so begab ich mich ins Horváth, das an einem Seitenarm der Spree in Friedrichshain-Kreuzberg liegt. An der idyllischen Uferstraße haben sich einige kleinere Restaurants niedergelassen, allerdings glänzt dieses hier mit einem Michelin-Stern natürlich etwas mehr als die Anderen. Anspruch und Erwartungshaltung sind dementsprechend auch höher. So oder so, wurden dem VfB selbstverständlich trotzdem die Daumen gedrückt.

Von außen wirkt das Horváth sehr unscheinbar, was sich im Inneren fortsetzt. Sehr locker geht es zu, das Mobiliar erinnert an ein gemütliches und schönes Gasthaus. Hier kann man sich wohlfühlen, dachte ich dann auch zugleich und wir wurden vom Service zum Tisch geführt. Die ungezwungene Atmosphäre wird durch die nicht vorhandenen Tischdecken noch verstärkt.

Es gibt nur ein Menü mit insgesamt 12 Gängen. À la Carte kann nichts bestellt werden und wir wurden aufgeklärt, dass es nur möglich ist die Anzahl der Gänge zu bestimmen. So kann dann beliebig zwischen vier und den ganzen 12 variiert werden, je nachdem wie viel Zeit man einplanen möchte. Die einzelne Auswahl der Gerichte wird der Küche überlassen. Zwar ist es möglich den einen oder anderen Wunsch zu äußern oder bestimmte Zutaten auszuschließen, nichtsdestotrotz wird das Menü so immer zu einer Überraschung. Wir entschieden uns für acht Gänge, wohl wissend, dass wir danach noch weiter und so nicht die Öffnungszeit des Restaurants bis zur Grenze ausnutzen wollten.

Der Chefkoch Sebastian Frank war vor dem Horváth übrigens im Wiener Steirereck beschäftigt, an das ich mich ja gerne zurück erinnere. Auch die Ausrichtung der Küche ähnelt mit modernisierten, österreichisch-regionalen Gerichten sehr diesem. Ich freute mich also umso mehr auf einen schönen Abend der, fast schon unangenehm, schnell mit der servierten Brotauswahl begann. Zum durchweg guten Brot gab es Butter und gutes Kürbiskernöl.
DSC_3002

Den Anfang machte ein wohlschmeckendes Amuse Geule das mir allerdings nicht im Gedächtnis geblieben ist. Einzig an die wirklich tollen rauchigen Röstaromen am Gemüse kann ich mich sehr gut erinnern.

DSC_3003

Das Menü selbst begann mit einem Gericht, das als „Champignon | Sternanis | Petersilie“ annonciert wurde.DSC_3005

Zu jedem Gang erhält der Gast eine Karte, auf der das Gericht beschrieben ist. Auch schon im Steirereck werden damit die, nicht unbedingt immer gleich erkennbaren, Zutaten und Zubereitungsarten erklärt. Eine schöne Art, bekommt man so doch einen ersten Eindruck von der Komplexität und dem Aufwand, der von der Küche betrieben wird, um das Essen zuzubereiten, ohne dass der Service minutenlang den Teller erläutern muss.

In diesem Fall sind es ganze sieben verschiedene Komponenten. Vom sous-vide gegarten Champignonkopf, über die Jus mit Sternanis und Röstaromen, der Mayonnaise von gebackenen Champignons und dem Petersilientrester. Leider wirkte das Endergebnis, trotz des Aufwands, etwas eintönig und unausgewogen. Die Pilzcrème und die Mayonnaise dominierten. Ich hoffte auf eine Steigerung mit „Stör | Kellertriebe | Pilzessig“.

DSC_3007

So kam es dann auch. Der Fisch war toll gegrillt und auch hier geriet der geröstete Zwiebelauswuchs ausgesprochen rauchig. Lecker. Insgesamt ein feines Gericht, da sauer eingelegte Zwiebel noch für die Säure sorgte und das Geschmacksspiel sehr harmonisch wirkte. So kann es mit „Wiener Panade | Austernpilz | Sardelle“ weiter gehen.
DSC_3008

Ungewöhnlich und ebenfalls sehr lecker. Geschmacksangebend war eine unglaublich intensive Emulsion vom Backhuhn, eine Paste aus Sardellen und Sellerie, Spinat das mit Hühnerleber mariniert ist und ein Petersilienöl. Die Panierung des Pilzes sorgt dann für den Kontrast in den Konsistenzen. Das Menü wird spannender und ich freue mich auf den nächsten Gang „Röstzwiebel | Kartoffel | Majoran“.
DSC_3009

Die Zusammenstellung klingt vertraut. Kartoffeln und Majoran vertragen sich seit jeher, Röstzwiebeln sind dazu auch nicht ungewohnt. Also muss die Zubereitung das Gericht zu etwas Besonderem machen. So sorgen unter anderem geeiste Röstzwiebel-Kartoffelkrem, das Kartoffelconfit mit Haselnussvinaigrette, Sauerrahmgelee und ein schöner Zwiebelsud mit Majoranöl für Überraschungen. Nicht ganz so stark wie der vorherige Gang, beweist die Küche auch bei diesem Gericht, dass man aus sehr „gewöhnlichen“ Zutaten außergewöhnliche Geschmackserlebnisse kreieren kann.

Der erste Hauptgang des Menüs hörte auf den Namen „Milchferkel | Spitzkraut | Senfgurke“.
DSC_3011

Ich sage es, wie es ist. Das ist das beste Stück vom Schwein gewesen, das ich jemals gegessen habe. Der intensive Geschmack und die perfekte Konsistenz sorgten für eine völlig neue Erfahrung. Der kräftige Gegenpart dazu war eine Marinade aus Blut, das dann mit dem rahmigen Weißkraut harmonischer wurde. Ein extrem guter, erster Hauptgang, der dann zu „Schulterscherzel | Spargel | Bergkäse“ führte.DSC_3013

Dieses Gericht wirkte deutlich klassischer. Die Rinderschulter war natürlich auf den Punkt gegart. Die Käsesauce kräftig, aber dennoch so abgeschmeckt, dass sie nicht alles überlagerte. Das Langos, zu sehen auf dem mit Holzkohle aromatisiertem Spargel, habe ich mir knuspriger vorgestellt. Es fehlte hier am letzten Feinschliff, an Überraschungen und Kontraste. Handwerklich sehr gut war es dennoch schwächer in der Menüabfolge.

Wie zu sehen ist, sind die Portionsgrößen bis hier her recht überschaubar gewesen. Und tatsächlich war es so, dass es sicherlich für gute Esser nicht ausreichen würde. Ich hatte mittags gut gegessen, weswegen der große Hunger gestillt war, dennoch wirkten die Gerichte so, dass sie immer auf 12 Gänge angelegt sind. Dessen ist sich wohl auch die Küche bewusst. So bietet der Service ohne Nachfrage an, einen Nachschlag dieses Gerichts zu schicken. Das ist sehr nett, dennoch hätte ich mir gewünscht, dass die Gänge von vornherein ausreichend dimensioniert sind. Vom Milchferkel hätte ich nämlich gerne mehr gegessen.

Eine Art Pre-Dessert soll auf den Dessertgang einstimmen. „Kakaobohne | Ziegenmilch | Topinambur“.
DSC_3014

Sehr kurzweilig. Zuerst überraschend, wirkte das Gericht dann mir persönlich zu „gewollt“. Der Topinambur passte nicht ins Bild, obwohl ich Gemüse in Desserts durchaus etwas abgewinnen kann. Der Rest war ansonsten durchaus stimmig. Das Eis aus Ziegenmilch, die Kakaobohnen und das Kakaobohnenöl, zusammen mit Apfelessig, eine schöne Kombination.

Danach kamen wir mit „Schwarze Nuss | Karamell | Salzcrumble“ zum Abschluss des Menüs.DSC_3016Ein Dessert wie es sein muss. Süß und weich, das Eis, Haselnuss- und Nougatcrème. Salzig und knusprig das Nusskekscrumble und die gerösteten Mandeln. Und eine säuerliche Zitronenmarmelade die die Nachspeise abrundet.

Das Menü hinterließ einen bleibenden Eindruck. Vieles war stimmig und sehr gut. Ein paar Kleinigkeiten verändern diese Meinung nicht gravierend. Der Service war aufmerksam und sehr sympathisch. Die Weinkarte bietet nur deutsche und österreichische Weine an. Für mich, als ausgesprochener Liebhaber regionaler Weine, war das kein Problem, andere werden sicherlich die eine oder andere Flasche vermissen.

Ein Wort sollte man sicherlich noch zur zeitlichen Abfolge des Menüs verlieren. Wir haben auf 19 Uhr reserviert und bekamen, bei acht Gängen, unsere Nachspeise um ca. 23 Uhr. Der Abstand zwischen den Gängen wurde im Laufe des Abends immer größer, bei den Hauptspeisen betrug dieser dann auch mal über 30 Minuten. Das war für uns zwar kein Problem, weil wir eben recht früh da waren, für andere Tische wurde es deutlich später. Es bietet sich also an, entsprechend viel Zeit einzuplanen.

Nichtsdestotrotz. Das ist Jammern auf hohem Niveau. Für einen gemütlichen Abend mit hervorragendem Essen ist das Horváth sehr empfehlenswert.

2 Gedanken zu “Restaurant Horváth, Berlin (*)

  1. Essen ok, der Service ließ allerdings sehr zu wünschen übrig. Kellner hatte keinen Plan, was sich am Tisch abspielte. Mehrfaches Bitten um Wein ergab ein dürftig gefülltes Glas, Website nervt mit Musik, die sich nicht abstellen läßt. Es muß an einigen Ecken gefeilt werden, um dem Sterne Image zu genügen, das sie vor sich hertragen.

Kommentar verfassen