: Er isst

wd~50, New York (*)

Die Küche des wd~50 wird als neu-amerikanisch beschrieben. Aber was bedeutet das überhaupt? Für mich bedient sich die neue, amerikanische Küche unterschiedlicher Küchenstile und wird von verschiedenen Länderküchen inspiriert. Die überwiegend regionalen Zutaten und Produkte werden handwerklich anspruchsvoll zubereitet und neu kombiniert. So hat sich in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Küche entwickelt, die auch international für Aufsehen sorgte.

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Das von außen sehr unscheinbare Restaurant liegt Im Bereich East Village, Lower East Side und macht nur durch einen kleinen Neonschriftzug auf sich aufmerksam.

Auch die Inneneinrichtung des wd~50 hält sich zurück, was man von der allgemeinen Atmosphäre nicht behaupten kann. Die meisten Tische sind belegt, der Lautstärkepegel ist recht hoch und es geht sehr locker zu. Wir wurden zu unserem reservierten Tisch geführt, die auch hier sehr eng stehen. Um Platz zu nehmen, muss der Tisch verschoben werden, was uns allerdings nach den ersten Erfahrungen in New York nun auch nicht mehr besonders überrascht.

Das Restaurant wurde vom Michelin nichtsdestotrotz mit einem Stern ausgezeichnet. Angeboten werden zwei Menüs. Ein aktuelles „Tasting Menu“ und das Menü „From the Vault“ mit den besten Gerichten aus den letzten Jahren. Die Menüs können in der Anzahl der Gänge variiert werden, eine etwas freiere Zusammenstellung und Kombination der Menüs wurde uns allerdings nicht angeboten. Wir entschieden uns für das fünf-gängige „From the Vault“, wobei ein Gang mit Schweinebauch für die Dame geändert und ein etwas weniger fettiges Fleisch verwendet werden sollte. Nach kurzer Rücksprache in der Küche wurde für sie der Gang durch ein komplett anderes ersetzt, das auch nicht in den beiden Menüs zu finden war. Das war positiv überraschend und fand schnell ihre Zustimmung.

Die einzelnen Gerichte waren handwerklich toll gemacht und schön angerichtet, auch wenn die geschmackliche Abstimmung manchmal etwas fehlte. Insbesondere beim ersten Gang, „Foie Gras, Anchovy, Tarragon, Cocoa Nibs“ war das zu schmecken. Während die Foie Gras von sehr guter Qualität war und die Kombination mit knusprigen Kakaokügelchen gut gelungen ist, war die Auflage auf der Leber aus säuerlich eingelegten Anchovis gewöhnungsbedürftig. Vielleicht noch nicht mal wegen den Sardellen, sondern eher wegen der Säure, die sämtliche anderen Komponenten überdeckte.

DSC_4237Umso überraschender war es dann, dass gleich der nächste Gang „Edamame Gazpacho, Peekytoe Crab, Pomegranate, Pickled Chives“  umso herausragender war. Die Grundidee dahinter ist eigentlich einfach, überzeugt aber durch eine perfekte Zubereitung und die tolle Kombination der Edamame-Suppe mit der Einlage aus Krebsfleisch und der geschmacklichen Abrundung durch den Granatapfel.

DSC_4239Die folgenden zwei Gänge, „Arctic Char, Root Beer Date, Forbidden Rice, Fava“ und „Pork Belly, Ancho, Pineapple, Caper“ waren beide sehr gut. Während beim Saibling die sehr gute Qualität des Fisches und der sehr aromatische Reis beeindruckte, war es beim Schweinebauch die gelungene, aber auch erprobte, Geschmackskombination aus dem fetten Fleisch, die Süße der Ananas und die Würze durch Chili und Kapern.

Auch die Nachspeise „Parsnip Cake, Coconut-Cream Cheese, Carrot, Walnut“ stand dem in nichts nach. Mit der Pastinake und der Karotte finden sich gleich zwei Gemüsesorten in einem Dessert, die aber beide sehr lecker verarbeitet waren und sich wie selbstverständlich in das Gericht einfügen.

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Insgesamt gesehen ein toller Abend. Eine andere Bewertungsgrundlage des Michelins in den USA, man sagt Sterne wären hier einfacher zu erkochen, konnte ich hier nicht ausmachen. Essen und Service waren auf hohem Niveau. Bei „Gourmet Kritik“ wurde das Restaurant als „eines der interessantesten in New York“ bezeichnet. Dem schließe ich mich an.

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