: Er isst

New Orleans, Spezialitäten, Mr. B’s Bistro, Cochon und Muriel

In New Orleans setzten wir unsere (kulinarische) USA-Reise fort. Die Stadt ist für ihre Küche berühmt, die vor allem von Kreolen und Cajuns, also französischen Einwanderern, geprägt wurde.

Das steht vor allem für jede Menge deftiges, ehrliches und bodenständiges Essen. Klassischer Soulfood eben. Auf die Kalorien wird da nicht besonders geachtet. Das merkt man beispielsweise bei einem Spaziergang über den French Market, auf dem Imbisse verschiedene Südstaaten-Spezialitäten anbieten. Knusprige Schweineschwarte, Austern, Po‘ boys (belegte Brötchen), Jambalaya, frittierter Alligator. Andernorts findet man oft auch Barbeque-Gerichte, wie z. B. Jerk Chicken, Pulled Pork oder Beef Brisket, also langsam im Smoker gegartes Hühnchen, bzw. Schwein oder Rind.

Weil New Orleans viel wert auf Essen legt und die Touristen nach dem verheerenden Hurricane 2005 wieder zurückgekommen sind, ist auch die Dichte an Restaurants in der Stadt sehr hoch. Die allermeisten mit kreolischer Küche.

Mr. B’s Bistro ist eines davon. Mitten im berühmten French Quarter gelegen, erwartet den Besucher ein sehr großes und belebtes Restaurant. Das Publikum ist bunt gemischt, Sakkopflicht wie in anderen Gastronomiebetrieben herrscht nicht, was sich beides positiv auf die Atmosphäre auswirkte, die man als sehr locker und entspannt beschreiben könnte. Es gab ein Sea Food Gumbo als Vorspeise. Als Gumbo bezeichnet man eine sehr reichhaltige und schwere Suppe die entweder Fleisch oder Fisch als Basis haben. In dem Fall sorgen Shrimps, Austern und Krebsfleisch für den Geschmack, die von Okras und Reis begleitet werden. Soft Shell Crab gab es zum Hauptgang. Der Krebs legt regelmäßig seinen Panzer ab und bildet dann einen neuen. Während dieser Zeit ist die Schale weich, wodurch man das Tier im Ganzen essen kann. In diesem Fall wird der Krebs paniert und frittiert. Das weiche Krebsfleisch gab es naturbelassen dazu. Außerdem Pommes mit Knoblauch, Rosmarin, Pecorino und Trüffel-Öl. Alles super lecker, die Pommes-Begleitung hätte es dann aber nicht mehr gebraucht.

Das Cochon wirkt dagegen schon deutlich moderner. Es liegt etwas außerhalb, Touristen verirren sich schon seltener hier her. Dafür Anthony Bourdain, der hier schon zu Gast war. Oder das in Amerika renommierte Gastro-Portal „bon appetit“, welches das Restaurant zu den 20 wichtigsten der USA gewählt hatte. Die Stimmung ist lebhaft, der Service sehr jung und auf Zack.

Auf der Karte stehen auch hier cajun Gerichte, die aber deutlich modernisiert wurden. Es eignet sich hervorragend dazu, sich einmal durch die Spezialitäten der Südstaatenküche zu essen. So taten wir das auch. Frittierter Alligator mit Chili-Knoblauch-Mayonaise und Schweinefleischbällchen mit eingelegtem Paprika, aber auch geräucherte Spare Ribs mit Wassermelone wurden als Vorspeisen aufgetischt. Danach wurde der „Signature Dish“ serviert. Spanferkel aus Lousiana, Kohlrabi, Kohl, eingelegter Pfirsich und knuspriger Schwarte. Macaroni & Cheese gab es als Beilage dazu.

Um es vorweg zu nehmen, Alligator schmeckt OK, sehr mild, etwas zäh. Unbedingt noch mal essen muss ich das nicht. Die anderen Speisen dagegen schon. Das war alles sehr schmackhaft, insbesondere die Ribs und das Schwein. Wie auch schon bei den Pommes, war aber auch hier die Beilage „Mac & Cheese“ ziemlich unnötig. Der Käse schmeckte wenig intensiv und im Grunde genommen, fühlt man sich an irgendein Nudel-Fertiggericht erinnert.

Das letzte Abendessen gab es dann im Muriel. Das Restaurant liegt im French Quarter und verbirgt sich in einem geschichtsträchtigen alten Gebäude, dessen Fundament schon seit über 200 Jahren existiert. Dementsprechend prächtig und herrschaftlich geht es im Inneren zu. Alles wirkt edel, recht gediegen, was auch vom Service fortgeführt wird.

Es gab zur Vorspeise überbackenes Krebsfleisch und ein knuspriges Brioche mit Entenragout und Foie Gras Aioli. Gefolgt von den BBQ Shrimps die ich auch in meinem Geburtstagsessen schon aufgetischt hatte. Unnötig zu erwähnen, dass die hier besser waren. Aber auch hier war wirklich alles super.

Wenn ich den Ausflug nach New Orleans Revue passieren lasse, fällt mir eigentlich nichts ein, was mir nicht gefallen hätte. Die Liebe zum Essen, die ich schon in New York gespürt hatte, war auch hier in jedem einzelnen Gericht zu spüren. Sie beschränkt sich auf die wesentlichen Zutaten in der Region, die herzhaft kräftig abgeschmeckt werden. Eben genau so, dass es einfach schmecken muss :-).

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