: Er isst

New York Nachschlag. Public (*) und Blue Hill (*)

Ein gutes neues Jahr, wünsch ich. Der letzte Beitrag liegt lange zurück und ich hatte noch nicht mal Gelegenheit die USA-Rundreise zu Ende zu führen. Auch in der Zwischenzeit wurde viel gekocht und gab es viel zu essen, aber der Jahresendstress verhinderte eine Berichterstattung jedweder Art. Aber damit soll nun Schluss sein. Die letzten zwei Restaurants in New York warten auf die Berichte.

Public

Das Public ist mit einem Michelin-Stern prämiert und liegt im hippen Ausgehviertel des East Village. Chinatown liegt nicht weit entfernt und die Bars säumen die Straße. Das Restaurant an sich befindet sich in einem etwas runtergekommenen Gebäude und auch innen setzt sich der „Industrial Look“ fort. Sicherlich mit einer der Gründe für eine besonders lebhafte Stimmung, viele junge Gäste und eine sehr lockere und gut gelaunte Atmosphäre. Auch der Service führt diesen Eindruck weiter, der nett und sympathisch auftrat.

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Wir hatten für einen Sonntag reserviert um das wöchentliche Sunday Supper auszunutzen. Bei dem Abendessen erlaubt sich die Küche ein wechselndes, fünf-gängiges Menü zu kreieren und Gerichte auf die Karte zu setzen, die es normalerweise nicht gibt. Auch preislich sehr attraktiv, machte uns das neugierig, ist es doch oftmals eine gute Möglichkeit das Können der Köche zu erschmecken. Allerdings sagte uns das Menü überhaupt nicht zu und wir wählten dann doch lieber à la carte.

Die Austern mit Shiso-Kresse, Szechuan-Pfeffer und einem Wasabi-Yuzu-Dip waren ausgezeichnet. Für New York typisch, sind die Muscheln von bester Qualität und das Säure-Schärfe-Spiel passte sehr gut dazu.

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Die dann folgende Hauptspeise, bestehend aus gebratener Entenbrust, Pak Choy und Cassava Chips war dann enttäuschend. Alles sehr langweilig gewürzt, war die Brust auch noch sehr grenzwertig gebraten. Mit sehr gutem Willen konnte man das Brustfilet noch als medium rare durchgehen lassen.

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Das Dessert, Zitronengras-Käseküchen, Traubensorbet und eine knusprige Hippe entschuldige diesen Faux-Pas etwas, einen Abend in einer Sternegastronomie stelle ich mir dennoch anders vor.

DSC_4690Wie könnte es anders sein. Trois Etoiles war ebenfalls im Public und kam mir natürlich ebenfalls mit dem Bericht zuvor. Er beschließt seinen Artikel mit „Ein Essen, das mit so vielen Nachlässigkeiten zubereitet wurde, hat in New York echten Seltenheitswert. Und was ein Michelin-Stern hier zu suchen hat, ist mir schleierhaft.“ Soweit würde ich nicht gehen, einen Michelin-Stern hat diese Küche aber auch bei mir nicht verdient.

Blue Hill

Im Blue Hill verabschiedeten wir uns von dieser, auch unter kulinarischen Gesichtspunkten, großartigen Stadt. Unweit vom Washington Square Park gelegen, liegt das, mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete, Restaurant mitten in einem Wohngebiet und gegenüber einer Bar, in der man vor dem reservierten Tisch noch einen kleinen Drink zu sich nehmen kann. Vor allem hier ist die amerikanische Küche und der damit verbundene Stolz der New Yorker spürbar. Die allermeisten Zutaten des Restaurants kommen aus dem Großraum New York und von regional arbeitenden Bauern. „Market to Table“ heißt das Prinzip, nachdem die Wege zwischen Erzeugern und Verbrauchern möglichst kurz zu halten sind und unserem hierzulande bekannten Slow Food sehr nahe kommt.

Die elegante Fassade der Wohnhäuser in der Nachbarschaft, setzt sich im ebenso eleganten Innenraum fort, in der eine ruhige, gemütliche Atmosphäre herrscht. Aber auch hier sind die Tische mitunter sehr eng gestellt, was nicht so recht in die ansonsten sehr feine Umgebung passen möchte. Der hervorragende Service erklärte uns die Karte wo wir uns sehr schnell für das Menü entschieden, das passenderweise „Farmer’s Feast“ heißt.

Den Anfang der sieben Gänge machte „Blackfish, concord grapes, cucumbers and pine nuts“. Ein perfekt gebratener Hecht. Dazu Trauben, Gurken, Pinienkerne. Gutes Essen kann so einfach sein.

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Auch beim nächsten Gang stehen die Produkte im Vordergrund. Sorgfältig ausgewähltes Gemüse, liebevoll behandelt und perfekt zubereitet.DSC_4792

Dieses Konzept wird von „This Morning’s Farm Egg, parsnips, matsutake and shiitake mushrooms“ weitergeführt. Auch hier war die Zubereitung tadellos, weitere Worte sind da überflüssig.

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Auf weitere Ausführungen verzichte ich. Die exzellenten Zutaten und eine sehr gute Kochleistung führen einfach zwangsläufig zu leckeren Speisen. „Stone Barns Pastured Chicken, chanterelle mushrooms, collard greens and sweet corn“ macht da keine Ausnahme.

Wenn man an dieser Stelle aber dann vielleicht doch etwas anmerken möchte, dann, dass die Gerichte wenige Spitzen und Überraschungen aufweisen. Fast ein wenig trist daher kommen. Da würde ich mir dann doch etwas mehr Mut erhoffen.

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Etwas schwächer war der nächste Gang, in der die Entenbrust tonangebend sein sollte, ich mich aber vor allem an den Mais erinnern kann. Davon war nämlich reichlich auf den Teller, dazu noch recht naturbelassen und damit mit einer fast schon dominanten Süße.DSC_4795

Die zwei Desserts reihen sich in das hohe Niveau mit ein, überraschen nicht mit außergewöhnlichen Zutaten oder Geschmackskombinationen, aber mit perfekter Zubereitung. „Raspberries, stone barns honey, elderflower and yogurt sorbet“.

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Das Menü wurde mit „Strawberries, flourless chocolate cake and milk jam ice cream“ beschlossen, das es dem vorherigen Gang gleich tat.

DSC_4797Ein wunderschöner Abend ging damit zu Ende und auch eine tolle Zeit in New York. Es ist unvorstellbar, wie vielfältig die Stadt ist. Wie reich an unterschiedlichen Kulturen und damit auch kulinarischen Einflüssen. Und viele der New Yorker wissen das zu schätzen und nutzen die vielen Möglichkeiten auch aus. Das führt dazu, dass die gastronomische Dichte und vor allem der Wettbewerb unglaublich groß ist. Was woanders negativ gesehen wird, ist in New York Quell kreativer Höchstleistungen in Restaurantküchen. Ich glaube nirgendwo sonst, wären Restaurants wie das koreanische Zwei-Sterne-Restaurant Jungsik möglich oder die Vielzahl an Sterne-Restaurants unterschiedlichster Länderküchen.

Wir hatten tolle Essen erlebt, in einfachen Imbissen, wie auch in gehobenen Restaurants. In jedem Fall, selbst an einer einfachen Biertischgarnitur mit kleinem Pavillon auf dem Smorgasburg-Markt, hat man die Leidenschaft gespürt, die hinter den Köchen oder Betreibern steht. Und insbesondere das vermisse ich das eine oder andere Mal in normalen Restaurants hierzulande.

 

 

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