: Er isst

Esszimmer, Salzburg (*)

Der Winterurlaub beglückte uns nicht gerade mit großen Schneemassen. Man konnte zwar Ski fahren, suchte aber dann auch öfter ein Alternativprogramm. Wir machen dann häufig einen Ausflug nach Salzburg und natürlich möchte auch in der Stadt der Hunger gestillt werden. Weit abseits der Berghütten suchten wir uns ein anderes gemütliches Plätzchen um zu Mittag zu essen.

Zwar hat der Michelin seinen Führer für Österreich schon seit einiger Zeit vom Markt genommen, bietet dem Essbegeisterten aber zu mindestens im „Main Cities of Europe“ einige Empfehlungen für Salzburg (und Wien) an. Neben dem recht bekannten Ikarus im Hangar 7 und ihrem einmaligen Gastkochkonzept, gibt es mit dem Carpe Diem, Lokal des gleichnamigen Getränkeherstellers, und dem Pfefferschiff noch drei weitere, mit einem Michelin-Stern prämierte, Restaurants. Die Wahl fiel auf das Esszimmer, das relativ zentral, in der Nähe des Augustiner Brauhauses, seine, von außen sehr unscheinbaren, Räumlichkeiten hat. Innen ist das Restaurant recht steril eingerichtet und es wirkt, dank des weitläufigen Raumes sehr groß. Der Tisch war zwar reserviert, was angesichts nur drei belegter Tische aber nicht nötig gewesen wäre.

Neben dem Business-Lunch bietet Chefkoch Andreas Kaiblinger auch mittags das komplette Programm an, das aus drei Menüs mit jeweils fünf und einem siebengängigen Menü besteht. Erst mal beeindruckt von der schieren Anzahl unterschiedlicher Gerichte in den Menüs, entschieden wir uns für das fünfgängige Menü Esszimmer inkl. passender Weinbegleitung.

Ein paar Amuse Geules zum Aperitif ließen uns ankommen und stimmten auf das Menü ein. Die verschiedenen Variationen vom Fisch waren lecker und steigerten die Vorfreude auf das Bevorstehende.

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Das Menü begann ganz wunderbar mit „Saiblingsvorspeise mit Endiviensalat und Erdnuss“. Der Saibling wurde unterschiedlich zubereitet. Sanft als Filet gegart, als Tatar und Terrine. In Kombination mit der Erdnuss als Schaum und Öl ergab sich ein tolles Geschmacksbild. Für meinen Geschmack hätte nur der Endiviensalat noch etwas mehr betont werden können.DSC_5666

Auch der nächste Gang „Wildlachs mit Senfzwiebel , Kresse und Estragonbutter“ wusste geschmacklich zu überzeugen, was bei der Zusammenstellung nicht überrascht. Der Lachs war meiner Meinung nach leider etwas zu wenig gegart und erinnerte stellenweise eher an ein Sashimi. Angesichts der tollen Qualität des Fisches sah ich darüber hinweg.DSC_5667

Nach einem eher klassischen Gericht wurden nun mit „Blutwurst passiert mit roher Jakobsmuschel, Koriander und pikantem Paprikagemüse“ die Geschütze aufgefahren. Eine Geschmacksbombe die zum Fleisch-Hauptgang überleiten sollte. Von der möglichen Kombination aus gebratener Blutwurst und Jakobsmuschel hatte ich schon gehört. Die passierte Blutwurst als Sauce zur Meeresfrucht zu reichen, war mir dagegen neu. Und gut. Es passte geschmacklich sehr gut zusammen, die süßliche Paprika und der „frischegebende“ Koriander entschärften die sehr schwere Blutwurst wieder etwas, so dass das Gericht insgesamt sehr harmonisch wirkte. Vielleicht hätte ich mir noch ein Textur gebendes Element gewünscht, weil die einzelnen Bestandteile, wenig überraschend, alle weich waren und etwas knuspriges das berühmte i-Tüpfelchen gewesen wäre.

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Der Hauptgang folgte als „Spanferkel auf drei Arten mit Schabzigerklee, Kümmelkarotten und Safrannage“. Weniger experimentierfreudig ging es weiter, das hohe Niveau wurde aber beibehalten. Das schmeckte ganz hervorragend, nicht nur wegen dem von mir so geliebten geschmorten Schweinebauch. Alle Bestandteile waren sehr gut zubereitet und wurden toll von der süffigen Sauce zusammengeführt.

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Das süße Ende wählte ich aus einem anderen Menü und hörte auf die Beschreibung „Topfen, Grüner Tee und Apfel“. Da kann man nichts falsch machen, dachte ich mir, und so kam es dann auch. Die großen Überraschungen blieben aus, waren aber auch nicht notwendig. Ein leckerer und schöner Abschluss des Menüs.
DSC_5670Das Anmerken der einen oder anderen Kleinigkeit soll nicht davon ablenken, dass der Besuch im Esszimmer ein rundum gelungenes Mittagessen war. Es gab keine Ausreißer, der Service war sehr nett und aufmerksam und nicht zuletzt war auch die Weinbegleitung sehr ansprechend.

Neben dem wunderschönen Salzburg an sich, weiß die Stadt auch im kulinarischen Angebot zu überzeugen. Das beweist das Esszimmer eindrucksvoll. Übrigens: Ein Besuch der Augustiner Brauerei ist auch dringend zu empfehlen. Die Atmosphäre ist urig lebhaft und das Bier gut. Essen darf mitgebracht, kann aber auch dort gekauft werden.

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