: Er isst

Das Guggenheim und Pintxos, Teil 1. Bilbao, Spanien

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Am zweiten Tag in Bilbao stand natürlich das weltberühmte Guggenheim-Museum auf dem Programm. Mangels Zeit war uns allerdings ein Besuch des mit einem Stern empfohlenen Museumsrestaurant Nerua nicht vergönnt, stattdessen aßen wir im einfacheren Bistro zu Mittag. Für wirklich günstige 28 Euro bekommt man ein schnelles Drei-Gänge-Menü und eine Flasche Weißwein serviert.

Ich wählte einen frischen Salat mit marinierten Anchovis, einer baskischen Ratatouille und einer Mayonnaise. Danach Baby-Tintenfisch, einer schwarz eingefärbten Krustentiercrème und Fideuà, einer recht dünnen, kurzen Nudelart. Und zum Nachtisch Himbeer-Eis, weiße Schokolade und knusprige „Steine“, zumindest wurden das so annonciert. Durchweg war das Essen wirklich in Ordnung. Der Salat war schön frisch, die Anchovis von guter Qualität und der Tintenfisch toll geröstet. Allerdings hätte das eine oder andere Gericht besser ausgewogen und vor allem kräftiger abgeschmeckt sein können. Das Restaurant fertigt allerdings ein sehr großes und internationales Publikum ab, weswegen ich mir sogar vorstellen könnte, dass so gedacht ist. Insgesamt erinnerte mich das Essen sehr an ein ähnliches Erlebnis im New Yorker „The Modern“ im MoMA, was ich am Ende auch positiv resümierte.

Abends kam es zur ersten Begegnung mit der baskischen Version der spanischen Tapas. Pintxos sind kleine Snacks die in kleineren und größeren Auslagen auf den Theken der Bars vorbereitet sind und bestellt werden können. Anders als Tapas werden Pintxos häufig auch aufwändiger gestaltet, die dann von einer Tafel bestellt und frisch zubereitet werden und sehr nahe regulärer Speisen kommen. Ich werde davon noch sehr viele essen.

Unter anderem gab es Brötchen mit Schweinemett und Manchego-Käse, verschiedenen Käsesorten oder Pata Negra Schinken, frittierter Spider-Crab, Kartoffelkroketten und Rührei mit Stockfisch. Manches war kreativ, manches war schlicht, manches besser, anderes eher ordentlich. Allesamt waren sie aber hervorragende Begleiter zum allgegenwärtigen Txakoli.

Die Bestellung der Pintxos ist wunderbar unkompliziert. Man geht in eine Pintxos-Bar, bestellt den Txakoli und bittet um Pintxos. Danach erhält man meistens direkt einen Teller und kümmert sich um die Auswahl, die man durch den „Barkeeper“ kurz prüfen lässt ob noch etwas erwärmt oder vorbereitet werden muss. In den Beiträgen zu San Sebastian werde ich noch ein paar Worte mehr dazu verlieren, aber insbesondere dort habe ich mich in diesen „Barsnack Deluxe“ verliebt. In Bilbao war die Auswahl noch nicht so groß, weswegen ich nicht ahnen konnte, was mich in San Sebastian noch erwarten würde. Auch qualitativ war dann San Sebastian Bilbao weit überlegen.

Der Txakoli ist, wie in einem früheren Beitrag erwähnt, ein leichter, einfacher Weißwein aus dem Baskenland. Er wird sehr trocken aus regionalen Rebsorten ausgebaut und ist recht säuerlich. Früher ein minderwertiger Landwein, wird heutzutage sehr viel mehr auf Qualität geachtet, weswegen er mittlerweile auch in der gehobenen Gastronomie angekommen ist. Die Barkeeper der Pintxos-Bars machen gerne aus dem Ausschank des Txakolis ein kleines Spektakel, wenn sie das Glas aus einem Meter Höhe befüllen, ähnlich asiatischer Teezeremonien. Mir erschloss sich der Sinn und Zweck dahinter nicht so richtig, führte diese Technik doch oftmals zu einem beträchtlichen Schankverlust, die Show war auf jeden Fall immer groß. War der Wein erst mal im Glas, war der Wein aber ähnlich unkompliziert wie der ganze Abend in einer Pintxos-Bar.

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