: Er isst

Pintxos, Teil 3. San Sebastian, Spanien

Die Zeit vergeht wie im Fluge, wenn man schöne Urlaubstage verbringt. Leider. So wird das heute der letzte Tag sein, an dem wir die lebhafte und ereignisreiche Pintxos-Kultur genießen können. Denn für die nächsten zwei Tage in San Sebastian haben wir eine Reservierung bei Martin Berasategui, der uns mit drei Michelin-Sternen beweisen kann, ob uns die gehobene Gastronomie hier genauso überzeugt und sind in einem Restaurant von dem ich mir eine traditionellere baskische Küche erhoffte.

Bevor wir uns in die Bars stürzen, hatten wir mittags Lust auf Fisch, den es dank direkter Lage am Meer in ausgezeichneter Qualität und sehr frisch in zahlreichen Restaurants zu essen gibt. Direkt am Hafen liegt das Igeldo, in dem wir sehr unkompliziert an einen der zahlreichen Tische außen einen Platz bekamen, wobei man erwähnen sollte, dass sie sehr eng gestellt sind.

In diesem Fall frische Sardinen und eine schöne Scheibe vom Seehecht, der im Baskenland allgegenwärtig ist. Die Beilagen waren jetzt weder besonders noch notwendig, der einfach gegrillte Seehecht aber umso besser. Der säuerliche Txakoli passte natürlich hervorragend dazu.

Den Abend begannen wir in der Bar Txepetxa, die auf Sardellen in zahlreichen Variationen und frittierten Calamari, also eher traditionelle Speisen, spezialisiert ist.

Kann man nicht viel falsch machen. Allesamt sehr schmackhaft, wenn auch dann doch etwas gewöhnlich.

Fast nebenan befindet sich die Bar Zeruko, die wir danach besuchten. Hier fanden wir die größte Auswahl an Pintxos vor. Sowohl was die bereits vorbereiteten, ausgestellten Pintxos betrifft, als auch die zu Gerichte die zur Bestellung an der Tafel standen.

Die allermeisten Pintxos waren kreativ zubereitet und wirklich toll. Ich kriege nicht mehr genau zusammen, was wir alles genau hatten, an den Minigrill mit einem nur sehr leicht angegarten Kabeljau kann ich mich aber noch sehr gut erinnern. Die glimmende Kohle verlieh dem Fisch eine schöne Rauchnote und sorgte durch den Rauch und den damit verbundenen Geruch dafür, dass auch die anderen Gäste auf einmal Lust auf Gegrilltes bekamen.

Eigentlich schon satt, wartete nun das Borda Berri, ebenfalls mit einer recht modernen Version der baskischen Pintxos-Küche, die aber dann doch sehr an den kulinarischen Wurzeln orientiert war.

Es gab knuspriges Schweineohr, BBQ-Rippchen und Kabeljau in einer Pil-Pil-Sauce. Die knusprigen Bestandteile des Schweineohrs waren wirklich großartig, wie Schwarte, und auch das Rippchen war butterweich geschmort und dann röstig angebraten. Die Pil-Pil-Sauce war dann doch sehr heftig. Sie war extrem schwer, durch das Fisch-Eiweiß sehr dick gebunden und schmeckte kräftig nach Olivenöl. Nicht schlecht, aber nur in homöopathischen Dosen zu genießen.

Und weil es eben der letzte Tag mit Pintxos war, mussten wir danach noch einen weiteren Zwischenstopp einlegen. Das A Fuego Negro wartete  und entpuppte sich als die mit Abstand coolste Bar die wir besuchten durften.

Leider war das Essen nicht ganz so gut wie die Inneneinrichtung. Weder die panierten und frittierten Champignons noch das Risotto mit Tintenfischtinte oder der Mini-Burger waren wirklich toll. Wir hielten uns an den Txakoli und hatten ja schon genug gegessen.

Leider muss alles auch mal ein Ende haben. Selbst die Vielzahl an Pintxos, die ich probieren durfte. Halt, einen hab ich noch. Den Absacker im, schon im ersten Bericht erwähnten, Atari Gaztroteca, wo es auch noch ein schönes, kleines Stück Mini-Steak in einer Teriyaki-Sauce mit Süßkartoffelpürree gab.

Satt und glücklich sollen nun ab dem morgigen Tag wieder klassische Menüabfolgen auf uns warten. Das kulinarische Erlebnis rund um Pintxos war prägend für mich und ist, meiner Meinung nach, so sehr einmalig. Vielleicht am ehesten noch mit modernem Street-Food vergleichbar, durch die Bar und die dazugehörige Atmosphäre aber wesentlich einladender.

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