: Er isst

Lam & Yin, Antwerpen (*)

Das „Lam & Yin“ ist mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet und bietet eine moderat modernisierte chinesische Küche an. Die Rezepturen bleiben dabei relativ nahe am Original und kommen ohne andere Einflüsse aus, wie es in asiatischen Restaurants auf dem Niveau oftmals der Fall ist. Wir hatten einen Tisch zu Mittag reserviert und wurden herzlich in Empfang genommen. Das Restaurant selbst ist von außen sehr unscheinbar, im Inneren aber klein und gemütlich.

Angeboten wird nur à la carte, was uns aber in diesem Fall ganz gelegen kam. Die Karte besteht aus einer recht übersichtlichen Standardkarte und wechselnden Gerichten. Schnell waren drei Gänge ausgewählt und das Essen konnte starten. Die Weinauswahl erfolgt übrigens mit einem iPad. Die für ein China-Restaurant gut gefüllte Weinkarte kann so ohne dickes Buch durchgeblättert werden und man erfährt zu manchen Weinen nützliche Zusatzinformationen über Winzer oder passende Speisen.

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Den Anfang machten einige Dim Sum, die allesamt in Ordnung und recht schmackhaft waren, den letzten Pfiff aber vermissen ließen. Gute Hausmannskost, die natürlich deutlich besser ist, als es bei normalen China-Restaurants der Fall ist. Die dazu gereichte süße Chili-Sauce passte sich dem an.

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Meine Begleitung traf mit frischem Spargel und Garnelen die bessere Wahl. Die Komponenten und die Zubereitung fehlerfrei. Der Spargel knackig, die Garnelen von toller Qualität mit einer Sauce die beides harmonisch zusammenbrachte.

Wir waren übrigens zur Spargelzeit in Belgien, falls sich jemand wundern sollte, woher der Spargel nun im September kommt.

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Zum Hauptgang wurde ein Wagyu-Steak von sehr guter Qualität serviert, das absolut perfekt gebraten war. Die Außenseite war fast schon kross gebräunt und ich fühlte mich von dieser tadellosen Fleischzubereitung an sehr gute Steakhäuser erinnert. Die Sauce dazu war süffig, sehr herzhaft und einfach lecker. Dabei bestand sie, wie in der klassischen chinesischen Küche so üblich, vor allem aus Sojasauce, Reiswein und Brühe, allesamt aber in einfach besserer Qualität. Insgesamt betrachtet, ein Rezept wie es viele Chinesen kochen würden, allerdings mit deutlich mehr Bedacht bei der Auswahl der Zutaten und einem viel besseren Umgang mit den Rohstoffen.

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Ähnlich die Wahl der Begleitung mit einer Wachtel auf „Kung Pao“ Art, also mit einer leicht scharfen und süßlichen Sauce. Auch hier fällt die, ebenfalls recht einfache, aber sehr sorgsame, Zubereitung der Zutaten auf.

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Desserts gehören jetzt nicht unbedingt zu den Stärken der chinesischen Küche, weswegen auch hier keine chinesischen Rezepte verwendet wurden. Es gab einen Schokoladenkuchen mit Passionsfrucht, der überraschend schmackhaft war, aber wahrscheinlich dann doch eher zu de Küchen anderer Restaurants passen würde.

Klassische chinesische Küche ist einfach. Es gibt relativ wenige Zutaten und die Rezepturen sind leicht umzusetzen. Die Vergleiche mit der italienischen Küche sind da durchaus zutreffend. Leider sind Restaurants sehr selten, die es vermögen, diese einfache Länderküche mit guten Zutaten und der Liebe zum Kochen zu verbinden. Die Gerichte bestehen dann aus billigstem, Tiefkühl-Rindfleisch oder günstigstem Gemüse, wo doch beispielsweise gerade Spargelsaison ist und man so auch variieren könnte. Das wird hier anders gelebt und anders gekocht. Und das schmeckt man dann auch direkt. Ein Restaurant das man gerne häufiger besucht, um ungezwungen und sehr lecker die chinesische Küche zu genießen.

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