: Er isst

Barcelona

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Ich schreibe zu wenig. Aber das hat einen Grund. Sie ist weiblich, mittlerweile 10 Monate alt und hält mein Leben auf Trab. So kommt es zu den, erschreckend wenigen, zwei Blog-Posts in den letzten acht Monaten. Dabei gibt es natürlich nach wie vor einiges zu erzählen, viel „erkochtes“ und einige schöne kulinarische Ausflüge. Das jüngste Erlebnis (und eben nicht das einzige) führte uns nach Barcelona. Die Stadt die mich europaweit mit am meisten begeistert. Unter anderem auch kulinarisch. Und deswegen nutzten wir die Zeit für einige schöne Restaurant- und Marktbesuche.

Darunter gehörten die Markthallen, wie der weltberühmte „Mercat de la Boqueria“ oder kleinere wie der „Marcet de l’Abaceria“. Markthallen die mit einem unglaublich großen und schön angerichteten Lebensmittelangebot jeden Essensbegeisterten in ihren Bann ziehen. Und das obwohl ich, als Stuttgarter, mit der wunderschönen Stuttgarter Markthalle ja etwas ganz ähnliches in meiner Nähe habe. Nur eben in wesentlich kleiner und mit wesentlich weniger Fisch und Fleisch. Nicht verpassen darf man dort die Verkostung von Pata Negra. Der Schinken, der nur von Schweinen stammen darf, die zu einem Großteil von Eicheln gefüttert werden, gibt es direkt auf die Hand. Er wird nicht umsonst als der vermutlich beste der Welt benannt.

Ansonsten ging es vor allem um Essen. Barcelona und Katalonien sind bekannt für ihre mediterrane Küche die gleichermaßen Fleisch-, Fisch- und Gemüseliebhaber begeistern. Es ist eine Küche die außer sehr ursprünglichen und einfachen Gerichten, wie z. B. die Fideuà, im Grunde genommen eine Paella die mit kleinen Nudeln statt Reis zubereitet wird, Kroketten in verschiedenen Formen oder auch krosses Weißbrot das mit reifen Tomaten eingerieben wird, auch sehr gehobene und moderne Speisen anzubieten hat. Das ist vor allem Ferran Adrià zuzuschreiben, der von hier stammt, Chefkoch des legendären „elBulli“ war und als Mitbegründer der jahrelang hochgelobten Molekularküche gilt, der man ab und an und immer wieder in Barcelonas Restaurants begegnet.

Trotzdem bleiben die genannten „einfachen“ Gerichte wichtiger Bestandteil der Küche Barcelonas. Fangfrischer Fisch der einfach nur gegrillt, frittiert oder gedämpft wird, gibt es im „La Paradeta„, eine Restaurantkette die sich genau darauf spezialisiert hat. Die Fischer bringen hier ihre Beute direkt aus dem Meer in die Auslagen des Restaurants. Das Konzept sieht Selbstbedienung vor und man sucht sich die gewünschten Meerestiere selbst an der Auslage aus. Dazu nennt man Menge und Zubereitungsart und wird dann, einige Minuten später, aufgerufen. Nicht unbedingt komfortabel, so ohne Kellner und Service, aber einfach und eben sehr lecker.

Ebenso wichtiger Bestandteil der Küche Barcelonas, aber auch der Spanischen im Allgemeinen, sind Tapas. Die kleinen Häppchen die man in großer Anzahl, idealerweise tischweise, bestellt, gibt es nach wie vor an fast jeder Ecke. Dabei leidet so manches Mal die Qualität, weiß man doch um die vielen Touristen, die schnell ein trockenes Stück Baguette und schlechten Schinken essen wollen. Eine löbliche Ausnahme macht da „Tapas 24“ von Carles Abellan, der mit seinem früheren Restaurant schon einen Michelin-Stern erkochen konnte, sich nun aber eher der lockeren Küche verschrieben hat und das mit diesem Tapas-Restaurant voll ausleben kann. Das Restaurant kennt keine Reservierungen, was zu langen Schlangen führt, sobald Abendessenszeit ist. Wir hatten Glück und ergatterten einen der wenigen Plätze außen.

Die Tapas sind hier alle etwas kreativer und vor allem handwerklich herausragend gemacht. Der Bikini-Toast, im Prinzip ein Toast mit Käse und Schinken, wurde hier mit Trüffel veredelt und bestand aus hervorragenden Zutaten. Selbst der Toast wurde hier überdurchschnittlich zubereitet, man sieht ihm schon direkt an, wie schön kross er gebraten wurde. Die Patatas Bravas waren hier extrem gute Pommes Frites mit hausgemachtem, pikanten Ketchup und Knoblauch-Mayonnaise. Der Burger bestand hier aus krossen Brioche-Scheiben, rare gebratenem Rinder-Patty und einem Foie Gras-Eis. Danach gab es außerdem gebratene Hähnchen-Flügel, Oktopus mit Schweinebauch und Sobrasada, eine spanische Salami-Streichwurst, mit Honig. Alles einfach extrem gut und typisches Wohlfühl-Essen. Dazu passte auch der Nachtisch mit etwas Gebäck, einem Zitronensorbet, Schokoladenmousse und Früchtegelee.

Der Service ist, eben aufgrund des hohen Gästedurchlaufs, unterirdisch, weswegen uns der Kellner, nachdem wir ihm gesagt haben, dass das Essen sehr gut gewesen sei, mitteilte, dass der Service da nicht mithalten konnte. Selbstkritik können sie ja.

In den nächsten Blog-Beiträgen wird es noch um das Fonda Espanya, Hisop, Hoja Santa und Bodega 1900 gehen. Die ersten drei mit dem Bib Gourmand oder einem Stern des Michelin-Restaurantführers ausgezeichnet. Also bleibt gespannt.

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